Ortsbeschreibung von 1886

aus der “Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogthums Sachsen - Altenburg mit besonderer Berücksichtigung der Ortsgeschichte”
Niederwiera, gewöhnlich “die Wiere” genannt, liegt an der Altenburger-Waldenburger Chaussee, durchflossen vom Wierebach, welcher oberhalb des nahe gelegenen Oberwiera entspringt. Es liegt 2 1/2 Std. südöstlich von Altenburg, 1 Std. nordwestlich von Waldenburg, 2 Std. nördlich von Glauchau und 2 1/2 Std. südwestlich von Penig.
Im Jahr 1445 befanden sich hier 8 besetzte Höfe, und es wurden jährlich 1nßo. 49 gr. 6pf. in das Amt nach Altenburg gezahlt. Ende 1880 waren hier 213 Einwohner in 27 Häusern (darunter 3 Anspann- und Handgüter) und 42 Familien. Die Flur beträgt 179 ha 15 a mit 15.357 steuerpflichtigen und 1.820 steuerfreien Einheiten.
Harthau, in der Volkssprache “die Harth”, ist vom Kirchdorf 1/2 Std. entfernt und zählt 13 Feuerstätten, wovon nur ein Haus mit 10 Seelen nach Altenburg, die übrigen Güter und Häuser zum Königreich Sachsen gehörten, im Ganzen sind dermalen (1886) 101 Einwohner im Dorf. Die Flur, mit 17 Ackern altenburgischen Anteils, ist in Niederwiera eingerechnet.
Der deutsche Name des Ortes kommt von “hart” - Waldberg her, und es bedeutet eine in der Rodung an dem Fuße des Hart angelegte Ortschaft. Wie groß dieser Wald einst gewesen ist, lässt sich daraus schließen, dass zu den Dörfern der Parochie allein in dem altenburgischen Anteil noch etwa im Jahre 1840 über 268 Acker Holzboden gehörte, der nach 1848 fast ganz gerodet wurde.
Röhrsdorf, zu beiden Seiten der Wiera, 1/4 Std. vom Kirchort entfernt, hatte 1880 23 Häuser (darunter 4 Anspann-, 7 Handgüter und eine Mühle) und 149 Einwohner in 32 Familien. Die Flur beträgt 185 ha 71 a mit 18.123 Steuereinheiten. Der eigentliche Name ist Rüdigersdorf, 1445 Rüdigsdorf und zeigt, dass dieses Dorf eine deutsche Gründung ist, es waren hier in jenem Jahre 10 besetzte Höfe, und es wurden jährlich 2 nßo. Geschoss ins Amt zu Altenburg gezahlt.
Wickersdorf, in der Volkssprache “Wickschdorf”, zum Teil königlich sächsisch, von Niederwiera 1/4 Std. entfernt, hatte im Jahre 1880 in dem herzoglich-altenburgischen Anteil 13 Häuser, darin 13 Familien mit 81 (inklusive der sächsischen, 93) Einwohnern.
Die Flur ist 104 ha 95 a groß und mit 8.963 Steuereinheiten eingeschätzt. Auch dieses Dorf ist eine deutsche Anlage, nach seinem Gründer Wicker oder Wickram genannt, es hatte im Jahre 1445 erst 3 besetzte Höfe. Im Jahre 1870 gab es auf dem altenburgischen Anteil 2 Anspann-, 7 Hand- und 1 Gärtnergut, 3 Häuser und eine Ziegelei.
Im Jahre 1522 waren hier Irrungen zwischen dem kurfürstlichen Amte Altenburg und Ernst von Schönburg, Herrn zu Waldenburg, unter dessen Gericht damals der andere Teil des Dorfes stand, entstanden “wegen ains Born, den ain Bauer vf der gemein gegraben vnd aufgericht”.
Neukirchen, in der Volkssprache “Naukerchen”, das von Niederwiera 1/2 Std. entfernte Filialdorf, ist zur größeren Hälfte königlich-sächsisch, zur kleineren Hälfte herzoglich-altenburgisch.
Der sächsische Anteil, mit der Kirche, hat 4 Anspann-, 6 Handgüter, 1 Gartengut und 3 Häuser, der altenburgische 2 Anspann-, 6 Handgüter und 2 Häuser.
Der durch Neukirchen fließende Bach bildet die Grenze zwischen beiden Territorien. 1880 waren im sächsischen Anteil 76, im altenburgischen 65 Einwohner. Die Flur ist 107 ha 71 a groß und mit 9.202 Steuereinheiten eingeschätzt. Hier, in Newenkirch, befanden sich 1445 6 besetzte Höfe, es wurden 40 gr., darunter 8 gr. von Wiesen, in das Amt in Altenburg gezahlt.
Eine Beschreibung von Oberwiera ist in diesem Buch von 1886 nicht vorhanden, es sind nur die thüringischen Ortsteile erwähnt worden.