Der Kampf gegen die Wassermassen

Das Vielfache der durchschnittlichen Niederschlagsmenge im Juli 1954 brachte die Flüsse in unserem Gebiet zum Überlaufen.

Der Hermsbach in Neukirchen und die beiden Bachläufe, die etwa ab Grundstück Zobelt die Wiera bilden, sowie der aus Harthau kommende Bach, der am Sportplatz in die Wiera mündet, traten weiträumig über die Ufer. Ein Wolkenbruch oberhalb Neukirchen aus Richtung Breitenbach/Pfaffroda war der Auslöser für eine Flutwelle, die dann in Neukirchen, Oberwiera, Niederwiera und Röhrsdorf nicht nur Land, sondern auch Häuser überschwemmte.

Der Bach, sonst ein kleines Rinnsal, riss ab Grundstück Deuil alles mit sich fort. Der unter der alten Straße gelegene Durchlass für den Bach war viel zu gering, das Wasser staute sich deshalb zurück.

Der Stand des Wassers im Haus der Familie Zobelt war dank vieler Sandsäcke „nur“ etwa 30cm hoch. Um das Haus herum musste ein Hochwasserstand von 75cm gemessen werden.

In Neukirchen bot die Kirche Unterstellmöglichkeit für die Geschädigten. Der größte Schaden wurde an den Häusern an der B180 verzeichnet. Der Mühlteich lief infolge des zu geringen Brückendurchlasses über und das Wasser schoss in einer Höhe von rund einem Meter über die Straße in die Erdgeschossfenster der Häuser hinein und hinten wieder heraus. Auch die Brücke zum Grundstück Bocher konnte den Wassermassen nicht standhalten. Die Röhrsdorfer Brücke bei Berger war nach dem Wasser nur noch für Fußgänger zu benutzen, da sie zur Hälfte weggerissen worden war.

Auch 1961 musste die Gemeinde gegen die Wasserfluten der Wiera kämpfen. Es war ein mächtiges Gewitter mit Platzregen nach langer Trockenheit, welches in jenem Jahr für die Überschwemmung sorgte.

1961 begann die Begradigung der Straße in Oberwiera, wobei auch alle Straßendurchlässe für die beiden Arme der Wiera mit zusätzlichen Betonrohren vergrößert wurden. Der Bach ist ab der Gärtnerei bis zum „alten“ BHG-Gebäude begradigt worden. Um der Hochwassergefahr noch weiter vorzubeugen, erfolgte 1962 die Ausmauerung des Bachlaufes nahe des Zusammenflusses der Wiera. Neu gebaut wurde 1964 die Brücke in Niederwiera.
Mitte der siebziger Jahre haben die Bewohner des Gärtnereiweges in Eigeninitiative mit der Begradigung und dem zusätzlichen Einbringen eines Betonrohres den Weg der Wiera korrigiert.

Am 12.08. 2002 in der Zeit von 5 bis 7 Uhr morgens stiegen die Bachläufe um das Fünf- bis Siebenfache an. Diesmal war es lang andauernder Regen, der uns die Wasserfluten brachte. Nach einer Kontrollfahrt im Gemeindebereich wurde die Feuerwehr zur Hilfeleistung alarmiert.

Besonders schwer war die Bachstraße in Niederwiera betroffen. In verschiedenen Kellern, in denen sich Garagen und moderne Heizungsanlagen befinden, war der Wasserstand bis zu einem Meter hoch. Den größten Schaden richtete das Wasser in den Wohnbereichen an.

Auch in Neukirchen kämpften die Anwohner am Hermsbach, um den Schaden so gering wie nur möglich zu halten. Die Feuerwehr war ständig im Einsatz. Seit den frühen Morgenstunden wurden Sandsäcke gefüllt und zu den Schadensstellen transportiert, um Schlimmeres zu verhindern. Hilfe bekam die Gemeinde von den Wehren aus Waldenburg und Schwaben. Auch die Agrargenossenschaft half mit Leuten und mit Technik.

Es musste eingedrungenes Wasser im Bereich der Mittelschule ausgepumpt erden. Die Brückendurchlässe in Niederwiera und Röhrsdorf fassten die Wassermassen nicht mehr, so dass zum Teil die Straßen gesperrt werden mussten. Durch Unterspülung des Wurzelwerkes am Feuerwehrhaus in Oberwiera knickten vier riesengroße Pappeln wie Streichhölzer um.
Gegen 17 Uhr entspannte sich die Lage an der Bachstraße in Niederwiera etwas, doch der Regen hielt bis gegen 1.30 Uhr in der Nacht an.

Am 13.08. um 2.45 Uhr ertönten erneut die Sirenen in der Gemeinde. Die Kameraden der Feuerwehr rückten aus, um die Glauchauer Wehr zu unterstützen.
Mit der Beseitigung der Ausspülungen, dem Reparieren der Straßendurchlässe und des Wehres werden zur Zeit die Schäden des Hochwassers 2002 beseitigt.